Sonntag, Juni 15, 2014

Sommerpause

© Vladimir Karnachev

Hallo Freunde,

das Interesse an Lyrik ist wie oft im Sommer
sehr gering. Ich lege daher eine (hoffentlich)
schöpferische Sommerpause ein und melde
mich wieder mit neuen Seiten irgendwann
im August.

Bis dahin alles Gute!
Gerhard



Samstag, Juni 14, 2014

Bevor es zu spät ist

© www.alltag-in-schweden.de

Leuchtende Wolken am
Nachthimmel im Widerschein
eines abziehenden Gewitters

Helle Nächte im hohen Norden
durchsichtig wie Glas,
transparent und zerbrechlich

Jetzt ein Gedicht schreiben
bevor es zu spät ist
Jetzt lieben ...



Donnerstag, Juni 12, 2014

Begegnungen II

© Raymond Leech

Manchmal streift mich ein Wort
manchmal ein Blick und ich
erkenne eine verwandte Seele

Da halte ich kurz inne und gehe
dann zufrieden lächelnd weiter -
mein Tag ist gerettet



Dienstag, Juni 10, 2014

Frühlingsgefühle II

© Alma Aguado

Mit den üblichen
Alterserscheinungen
könnte ich leben -
Rückenschmerzen
schlechtes Gehör

Was mir Sorge bereitet
ist das Fehlen von
Frühlingsgefühlen



Sonntag, Juni 08, 2014

Reise nach Berlin

Berlin

Nostalgischer Rückblick von einer Reise in die
Vergangenheit ... 

I
Über den Wolken
Hier scheint ewig die Sonne
Hier herrscht ewiger Sommer
Doch wie im richtigen Leben
Trügt der Schein -
Das Paradies ist anderswo

II
Erinnerungsfetzen wie
Fader Geschmack im Mund
Flaues Gefühl
In der Magengegend
Das Flugzeug nähert sich
Seinem Bestimmungsort

III
Die große Stadt liegt unter mir
Hierhin flog ich einst
Um ein Jahr lang zu bleiben
Ein Jahr das Himmel und
Hölle zugleich wurde
Ein Jahr das Wunden schlug
Die nie mehr heilen werden

IV
Ich schließe die Augen
Und denke an die russische
Propellermaschine mit der
Ich damals flog, höre den
Ungewohnten Lärm der Motoren
Und fühle wieder die Unsicherheit
Vor dem was mich erwarten würde

V
Wer kann sich heute noch vorstellen
Wie es war in der geteilten Stadt
Die Armut, die Angst
Der unendliche Neid und das
Misstrauen einem aus dem
Feindlichen Westen gegenüber
Auch wenn er ihre Sprache sprach

VI
Die moderne Maschine gleitet heute
Fast geräuschlos über Vororte
Ich versuche mich zu orientieren
War es nicht dort wo ich wohnte
Graue trostlose Plattenbauten,
Über die Stalinallé zu erreichen
Und trotzdem privilegiert
Zimmer, Küche, Bad für eine Person
Reiner Luxus trotz Stasiwache
Tag und Nacht vor dem Haus
Und keiner der seltenen Besucher
Blieb unregistriert

VII
Und wie man damals
Am Geruch feststellen konnte ob
Man sich im westlichen oder östlichen
Teil der Stadt befand
Der Geruch von Millionen schwelender
Braunkohlefeuer war eindeutig

VIII
Später dann im Taxi auf dem Weg
Vom Flugplatz denke ich an das
DDR-Taxi und wie der Fahrer
Verächtlich ein Trinkgeld ablehnte
Vielleicht aus Idealismus aber
Viel wahrscheinlicher weil er
Sich Westvaluta erwartet hatte

IX
Im Hotel stehe ich dann lange
Am Fenster, sehe auf die
Lietzenburgerstraße hinab 
Es wird langsam Nacht
Und mir ist als ob ein Schatten
Aus der Vergangenheit
Auf mich wartet






















Freitag, Juni 06, 2014

Ein wenig mühsam

1954

Das alte Foto - 
du und ich auf einer Bank
jung und verliebt
Es spendet Trost
jetzt wo es Abend wird

Doch wir sind 
immer noch zusammen
und gehen Hand in Hand
wenngleich 
ein wenig mühsam



Mittwoch, Juni 04, 2014

Für dich

© Stanislaw Krupp

Deine Gedichte
machen mich glücklich,
erfüllen meine Tage
mit Sehnsucht
und meine Nächte
mit wildem Verlangen

In meinen Träumen
bin ich wieder jung
für dich



Montag, Juni 02, 2014

Nicht so schlimm

© Rebecca Campbell

Vielleicht wird mir einmal
einer nachtrauern und sagen

na ja -
soo schlimm war er nun
auch wieder nicht ...



Samstag, Mai 31, 2014

C'est La Vie

© Anja Stiegler

So unendlich traurig
Das Leben sein kann
Und so unendlich lustvoll

Wir lieben
Wir leiden
Wir leben und sterben

Wolken ziehen vorüber
Träume kommen und gehen
C'est la vie



Donnerstag, Mai 29, 2014

Mein Berlin-Gefühl
















An trüben Sonn- oder Feiertagen wie diesem heute, denke
ich manchmal an das Jahr zurück als ich für das Architekturbüro
einer schwedischen Baufirma in Ostberlin stationiert war. 
Ich lese dann dieses alte Gedicht und bin wieder 40 Jahre
jünger und einsam in Berlin ...


Ich nenne es mein Berlin-Gefühl
und es hat absolut nichts
mit dem Koffer zu tun
den Marlene Dietrich dort
noch stehen hat

Es stammt vielmehr aus
meiner DDR-Zeit, als ich in
Berlin-Ost stationiert war
um das Hotel am Palast und
einiges Andere zu bauen

Die ganze Woche über
schuftete ich schwer
und freute mich kindisch
auf den Sonntag
in Berlin-West

Am Sonntagmorgen nahm
ich dann die S-Bahn zum
Bahnhof am Zoo. Es regnete
und die Geschäfte waren
weitgehend geschlossen

Und da -
wie ein Blitz aus heiterem Himmel
überfiel mich dann dieses Berlin-Gefühl
während ich in leeren, regennassen
Straßen umherirrte

Lietzenburgerstraße
Uhlandstraße und Kudamm zurück
vollständig hoffnungslos
vollständig sinnlos, vollständig
einsam und zu Tode gelangweilt

Meistens fuhr ich bald wieder zurück
in das Bauern- und Arbeiterparadies,
wurde am Grenzübergang von
mürrischen Beamten gründlich
durchsucht und fuhr dann die Stalinallé
mit der Straßenbahn hinaus zu
meiner Wohnung um den Rest
des Sonntags zu verschlafen
während vor unserem Wohnblock
die ganz offensichtlich geheimen
Stasiagenten Wache hielten um ihre
DDR-Bürger vor jeglichem Kontakt
mit uns dekadenten Schweden
zu schützen

Das ist ungefähr
was ich mein Berlin-Gefühl nenne.
Vielleicht ist es schwer zu verstehen
und bisweilen überfällt es mich auch
anderswo - doch nie so heftig wie an
jenen Sonntagen am Bahnhof Zoo 


Mittwoch, Mai 28, 2014

Herzfehler

© Kelly Thompson

Herzfehler

Leichter Druck
aufs Herz,
erhöhter Puls

Ich fühle
dass du an mich
denkst


Schon Immer

Du bist mir schon immer
begegnet
lange bevor ich dich
kannte
in schwermütigen
Mondnächten
unter der Eberesche

Ich wusste es nur nicht 



Montag, Mai 26, 2014

Gegen Abend

© Anja Stiegler

Gegen Abend durch die
Landschaft streifen

Sich verlieren in der
Durchsichtigkeit
nordischer Sommernächte

Und immer auf Suche 
nach Träumen in denen
Schmetterlinge zu Hause sind



Samstag, Mai 24, 2014

Warten

© Duy Huynh

Immer wartet man auf etwas
Einen Brief
Ein Lächeln
Einen Anruf
Ein freundliches Wort

Oder auch nur auf ein Wunder ...



Donnerstag, Mai 22, 2014

Eine Haarnadel

© Hans Jochem Bakker

Immer hattest du etwas
liegen gelassen bei
deinen Besuchen

Ein Haar, eine Haarnadel,
einen Lippenstift
Einmal einen Schuh -
wie kamst du damals
nur nach Hause?

Und immer blieb die wilde
Sehnsucht nach dir zurück
zusammen mit einem Hauch
von Eau de Cologne



Dienstag, Mai 20, 2014

Wicked Game III

© Helena Christensen

Der Tag geht zu Ende
im Kerzenschimmer kaum
zu erkennen ein Schatten
der mir Gesellschaft leistet

Schon wieder so ein blauer Abend
und m Radio singt die Stimme
"What a wicked thing to do 
to let me dream of you"




Sonntag, Mai 18, 2014

Tagebuch 17. Mai

© www.spiegel.de Nachtigall

Fast über Nacht ist es 
Sommer geworden

Als letzte Zugvögel 
Verkündeten heute die 
Nachtigallen ihre Ankunft
Zu sehen sind sie nur selten

Hell schimmern die 
Birkenstämme in der
Dämmerung und die
Traubenkirsche (Prunus padus) 
Verströmt ihren betörenden Duft



Freitag, Mai 16, 2014

Wetterbericht

© Wetteraction.de

Weiße Wolkenrosse
stürmen heute
in wilder Panik
über den Himmel

Im Wetterbericht ist von
Sturmböen die Rede

Sie drücken es
nüchterner aus
Das Resultat ist
das gleiche




Mittwoch, Mai 14, 2014

Gedankensplitter


© David Popiashvili

Neue Idole

Auch Helden sind
nicht mehr was sie
einst waren

Wer wird denn heute
noch in Erz gegossen
hoch zu Ross und edel?

Die Zeiten ändern sich -
nun muss man singen können
je schriller desto besser ...


Falsche Medizin

Ich studiere die Packungsbeilage
einer neuen Medizin.
Einen Arzt oder Apotheker
kann ich nicht fragen

Da steht unter Nebenwirkungen
Haarausfall
So ein Glück, denke ich
dass man keine mehr hat


Gotteslästerung

Ich sage allen die es
hören wollen, dass mir
nicht gefällt was Israel in
Palästina treibt

Für viele die es hören
ist das wie eine
Gotteslästerung



Montag, Mai 12, 2014

Nichts auf der Welt

© David Hockney

Nichts auf der Welt

Im Traum sah er die
Grünen Täler seiner Heimat
Sah blau schimmernde
Berge in der Ferne 

Hörte das Murmeln
Von Bächen und der
Bussard zog seine Kreise
Hoch über ihm

Im Traum kam die, die er liebte
Ihm lächelnd entgegen und
Es gab nichts auf der Welt das
Ihm unerreichbar erschienen wäre

und auf schwedisch:
.
Ingenting i världen

I drömmen såg han sitt
hemlands gröna dalar
såg blå skimrande berg
i fjärran

Hörde det porlande ljudet
av små bäckar
och en duvhök flög högt
ovanför

I drömmen kom hon som han
älskade leende emot honom och
det fanns ingenting i hela världen
som föreföll honom ouppnåeligt



Samstag, Mai 10, 2014

Nur manchmal noch

© Duy Huynh

Alt bin ich geworden
sesshaft und träge

Nur manchmal noch
flammt die Begierde auf
dann schreib ich ein Gedicht
und schlafe weiter ...



Donnerstag, Mai 08, 2014

Vergebliche Suche

© Duy Huynh

Wir haben einander gesucht
ein Leben lang.
Immer unterwegs haben wir versäumt
uns zu begegnen.
Liebten die Einsamkeit
und nahmen die Traurigkeit
als Geliebte.
Wir werden uns nie finden
dessen bin ich gewiss

Die Welt
hasst uns dennoch 




Dienstag, Mai 06, 2014

Endlos IV

© Fang Lijun

Auf dem Hof die Kinder
ihr Lachen ihre Schreie

Erst gestern war ich einer
von ihnen, überzeugt davon
das Leben sei endlos




Sonntag, Mai 04, 2014

Die Welt ging unter

© Mark Keller

Als wir für immer Abschied nahmen
ging die Welt unter -
oder zumindest schien es mir so.
Die Straße in der wir standen und
die Häuser wurden undeutlich
zerrannen wie in Tränen,
der Erdboden bebte und am Himmel
erloschen die Sterne

Vielleicht bildete ich mir
das auch alles nur ein denn
ich hatte nur Augen für dich
so als ob ich mir dein Bild
einbrennen müsste
für ewig irgendwo in der Seele
bevor ich mich abwendete
und dich zurück ließ in einem Land
das ich zu hassen gelernt hatte



Freitag, Mai 02, 2014

Kein Grund

© Anna Silivonchik

Ein Gedicht

Ich lese ein Gedicht
Ich verstehe nicht was es sagt

Doch ich fühle was es sagen will
Und bin glücklich


Ein Eintrag

Der Eintrag im
Geburtenregister
Ein Aktenzeichen

Der Eintrag im
Sterberegister
Dazwischen ein Leben


Düster

Der große schwarze Schatten
sitzt mir beim Schreiben
manchmal im Genick

So sehr ich mich auch anstrenge
nur düstere Gedanken
kommen dann aufs Papier


Kein Grund

Was wir gemeinsam hatten
war die Liebe zu einem Song

Kein ausreichender Grund
für ein dauerhaftes Verhältnis



Mittwoch, April 30, 2014

Liebe

© Duy Huynh

Du hörst mein Weinen
das sonst keiner hören darf
Du lachst mit mir
an Sonnentagen

Du teilst ein Glück mit mir
das bis zum Abend reichen wird
und eine Liebe
ohne große Worte

Erinnerungen sind es
die uns aneinander ketten
Um unsre Seelen
wachsen Kletterrosen